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Sternenscout

Bilder nachbearbeiten

Viele Einzelbilder übereinanderlegen, vorsichtig aufhellen – so holst du das Beste aus deinen Aufnahmen.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Sternspuren über dem Klöntalersee
Bild: Jean Schmitt, CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Ein einzelnes Nachtbild rauscht fast immer: Der Himmel ist körnig, schwache Details gehen unter. Die Lösung heisst Stacken – viele Bilder desselben Ausschnitts werden ausgerichtet und verrechnet. Danach hellst du das Ergebnis vorsichtig auf. Die nötige Software gibt es gratis.

Mehr erfahren – tippe auf einen Abschnitt

Warum funktioniert Stacken?

Das Licht eines Sterns oder Nebels ist in jedem Bild an derselben Stelle. Das Rauschen dagegen ist zufällig. Legst du viele Bilder übereinander, verstärkt sich das echte Signal, während sich das Rauschen ausmittelt. Siril beschreibt das als Verbesserung des Signal-Rausch-Verhältnisses; Ausreisser wie Satellitenspuren werden dabei verworfen.

Kalibrierbilder: Lights, Darks, Flats, Bias

Neben den eigentlichen Aufnahmen («Lights») kannst du Hilfsaufnahmen machen, die Fehler der Kamera herausrechnen:

Aufnahme So machst du sie Was sie korrigiert
Lights deine Bilder vom Himmel –
Darks gleiche Belichtung und ISO, Objektivdeckel drauf, ähnliche Temperatur Wärmerauschen und «heisse Pixel»
Flats gleichmässig helle Fläche (z. B. Dämmerungshimmel oder weisses T-Shirt vor dem Objektiv), gleicher Fokus Staubflecken, dunkle Bildecken
Bias (auch Offset) kürzeste Belichtungszeit, Deckel drauf Grundrauschen des Sensors

Siril und DeepSkyStacker verarbeiten alle diese Bildarten. Sequator nutzt Darks als «Noise images» zur Rauschminderung.

Welche Gratis-Programme gibt es?

Sequator – für Milchstrasse und Landschaft. Das Programm des Entwicklers Yi-Ruei Wu richtet die Sterne aus und stackt sie, erkennt den Vordergrund, reduziert Lichtverschmutzung und hat einen Modus für Sternspuren. Es liest RAW-Dateien und 16-Bit-TIFF. Sky at Night lobt es als «kostenlos, einfach, schnell».

DeepSkyStacker – der Klassiker für Nebel und Galaxien. Luc Coiffier hat die Freeware 2006 geschaffen; seit 2018 ist sie Open Source (BSD-Lizenz). Hauptplattform ist Windows.

Andromedagalaxie ohne Teleskop, mit DeepSkyStacker gestackt
Die Andromedagalaxie ohne Teleskop fotografiert und mit DeepSkyStacker gestackt.Bild: Milkomède, CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Siril – das umfassendste Gratis-Programm. Es kalibriert, stackt und bearbeitet: Farbkalibrierung, Histogramm-Streckung, Dekonvolution, sogar Astrometrie (es erkennt, welche Objekte im Bild sind). Siril gibt es für Windows, macOS und Linux; Stand Oktober 2026 ist Version 1.4.4 vom Juni 2026 aktuell. Es verarbeitet auch Videodateien im SER-Format, wie sie für Planetenaufnahmen genutzt werden.

Die Grundschritte

  1. Sichten. Wirf verwackelte Bilder, Wolken und Bilder mit Flugzeug-Lichtern weg.
  2. Kalibrieren. Darks, Flats und Bias abziehen (wenn vorhanden).
  3. Registrieren. Die Software sucht in jedem Bild die Sterne und richtet alle Bilder aufeinander aus.
  4. Stacken. Die ausgerichteten Bilder werden zu einem Summenbild verrechnet.
  5. Strecken. Das Summenbild wirkt zuerst fast schwarz. Mit Histogramm- oder Kurvenwerkzeugen hellst du die dunklen Bereiche auf, ohne die hellen Sterne ausbrennen zu lassen.
  6. Farbe und Hintergrund. Weissabgleich korrigieren, Farbstich durch Lichtverschmutzung entfernen. Ein Tipp von PhotoPills: Rote Sterne wie Antares sollen rötlich aussehen – sind sie blau, stimmt der Weissabgleich nicht.
  7. Feinschliff und Export. Etwas Rauschminderung, zuschneiden, als JPG für das Web speichern. Bewahre das Summenbild als TIFF oder FITS auf, um später neu zu bearbeiten.

Sternspuren zusammensetzen

Für Sternspuren richtest du die Bilder nicht aus, sondern legst sie so übereinander, dass die hellsten Punkte jedes Bildes erhalten bleiben. In Sequator wählst du dafür die Option «Trails». Wie ein solches Ergebnis aussieht, zeigt das Titelbild dieser Seite: Sternspuren über dem Klöntalersee im Kanton Glarus.

Häufige Fragen

Was bedeutet «Stacken»?
Stacken heisst, viele Aufnahmen desselben Himmelsausschnitts auszurichten und zu einem Bild zu verrechnen. Das Signal der Sterne und Nebel addiert sich, das zufällige Rauschen mittelt sich heraus.
Welche Software ist für Einsteiger am einfachsten?
Für Milchstrasse mit Landschaft ist Sequator sehr einfach. Für Nebel und Galaxien sind DeepSkyStacker (Windows) und Siril (Windows, macOS, Linux) verbreitet. Alle drei sind gratis.
Brauche ich Darks und Flats?
Am Anfang nicht unbedingt. Sie verbessern aber das Ergebnis deutlich: Darks entfernen Wärmerauschen, Flats entfernen Staubflecken und dunkle Bildecken. Probier es zuerst ohne, dann mit.

Quellen (5)

  1. Siril – Astronomische Bildbearbeitung (abgerufen 14.10.2026)
  2. DeepSkyStacker auf GitHub (abgerufen 14.10.2026)
  3. Sequator (Website des Entwicklers Yi-Ruei Wu) (abgerufen 14.10.2026)
  4. BBC Sky at Night Magazine: Create star trails images with Sequator (abgerufen 14.10.2026)
  5. PhotoPills: Milky Way photography settings (abgerufen 14.10.2026)

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