Star-Hopping: Objekte von Stern zu Stern finden
Mit Sternkarte und Sucher von hellen Leitsternen zu lichtschwachen Zielen hüpfen – die wichtigste Technik ohne GoTo.
Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Ein GoTo-Teleskop fährt Objekte per Knopfdruck an. Ohne Motor brauchst du eine andere Methode: das Star-Hopping. Du startest bei einem hellen Stern, den du sicher erkennst, und hüpfst in kleinen Schritten über markante Sternmuster bis zum Ziel. Das klingt mühsam, ist aber schnell gelernt – und du lernst dabei den Himmel kennen wie deine Westentasche.
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Was brauchst du?
- eine Sternkarte oder eine Planetariums-App im Rotlicht-Modus,
- einen justierten Sucher (Leuchtpunkt- oder optischer Sucher) – sonst springst du ins Leere, siehe Sucher justieren,
- dein Okular mit der längsten Brennweite (kleinste Vergrösserung, grösstes Feld),
- eine Rotlicht-Lampe, damit deine Augen dunkeladaptiert bleiben.
Das Prinzip in fünf Schritten
- Ziel auf der Karte suchen. Markiere das Objekt und such in der Nähe einen hellen Stern oder ein bekanntes Sternbild, das du von blossem Auge findest.
- Weg planen. Verbinde Start und Ziel über eine Kette auffälliger Muster: zwei Sterne in einer Linie, ein Dreieck, ein kleiner Bogen. Jeder Sprung sollte kürzer sein als das Feld deines Suchers.
- Startstern einstellen. Richte das Teleskop mit dem Sucher auf den Startstern und kontrolliere im Okular, dass du wirklich dort bist.
- Hüpfen. Bewege das Teleskop Muster für Muster weiter. Vergleiche nach jedem Schritt den Anblick mit der Karte, bevor du weitergehst.
- Im Zielfeld suchen. Am Ziel schaust du mit dem Übersichts-Okular. Lichtschwache Objekte erscheinen oft erst nach einigen Sekunden – mit indirektem Sehen.
Die erste Übung: vom Grossen Wagen zum Polarstern
Der klassische erste Sprung geht ohne Teleskop. Im Kasten des Grossen Wagens liegen die beiden «Zeigersterne» Merak und Dubhe. Verlängere die Linie von Merak über Dubhe hinaus um etwa das Fünffache ihres Abstands – dort steht der Polarstern, der hellste Stern im Kleinen Wagen.
Der Polarstern steht übrigens nicht genau auf dem Himmelsnordpol, sondern rund zwei Drittel Grad daneben. Für das Star-Hopping spielt das keine Rolle, für die Polausrichtung einer Montierung schon.
Ist der Grosse Wagen hinter einem Baum versteckt, hilft die Kassiopeia, das «Himmels-W» auf der anderen Seite des Polarsterns. Sky at Night beschreibt dafür eine Linie aus dem W heraus, die etwa eine Handspanne weiter zum Polarstern führt.
Wie schätzt du Abstände am Himmel?
Am Himmel misst man in Grad. Die ausgestreckte Hand ist ein handliches, aber grobes Messgerät: Mit Fingern, Faust und gespreizter Hand schätzt du Abstände von rund 1° bis etwa 25°. Weil Hände verschieden gross sind, eichst du deine eigene am besten einmal an bekannten Abständen.
Genauer wird es mit dem Sucher und dem Okular: Kennst du ihr Gesichtsfeld, zählst du einfach «Felder». Beispiel: Liegt das Ziel auf der Karte drei Sucherfelder vom Startstern entfernt, schwenkst du dreimal um ein Feld in diese Richtung.
Weitere Sprünge zum Üben
Sky at Night empfiehlt ein paar einfache Wege mit dem Orion als Startpunkt – ideal für Winterabende:

- Oriongürtel → Aldebaran → Plejaden: Verlängere die drei Gürtelsterne nach Nordwesten um rund 22° bis zum orangen Aldebaran, dann weitere rund 14° bis zu den Plejaden.
- Oriongürtel → Sirius: In die Gegenrichtung, rund 20° nach Südosten, steht der helle Sirius.
Im Sommer bietet sich die Leier an: Von der hellen Wega aus ist es nur ein kurzer Sprung zu den Sternen Beta und Gamma der Leier. Der Ringnebel liegt auf ihrer Verbindungslinie, etwas näher bei Beta. Den Doppelstern Mizar und Alkor findest du in der Deichsel des Grossen Wagens.
Die Karte richtig halten
Die grösste Hürde ist oft nicht der Himmel, sondern die Orientierung im Okular:
- Spiegelteleskope (Newton, Dobson) zeigen das Bild auf dem Kopf stehend, also um 180° gedreht.
- Mit einem Zenitspiegel (häufig bei Linsen- und Kompaktteleskopen) steht das Bild zwar aufrecht, ist aber seitenverkehrt.
- Der Leuchtpunktsucher zeigt den Himmel so, wie du ihn mit blossem Auge siehst.
Dreh die Karte so, dass sie zum Anblick im Sucher passt. Manche Sternatlanten gibt es auch spiegelverkehrt gedruckt; viele Apps können die Ansicht drehen oder spiegeln.
Typische Fehler
- Sucher nicht justiert: Der häufigste Grund für Frust. Prüf die Justierung zu Beginn jeder Nacht kurz an einem hellen Stern.
- Zu hohe Vergrösserung beim Suchen: Mit kleinem Feld verlierst du schnell die Orientierung. Erst finden, dann vergrössern.
- Zu grosse Sprünge: Wenn du zwei Muster nicht gleichzeitig im Sucher siehst, ist der Sprung zu weit.
- Ungeduld am Ziel: Gib deinen Augen Zeit. Das Objekt ist oft schon da, du siehst es nur noch nicht.
Häufige Fragen
Brauche ich für Star-Hopping eine gedruckte Sternkarte?
Warum finde ich ein Objekt nicht, obwohl ich an der richtigen Stelle bin?
Wie weit ist «eine Handbreit» am Himmel?
Quellen (6)
- BBC Sky at Night Magazine: How to star-hop the night sky (abgerufen 14.10.2026)
- Wikipedia (englisch): Big Dipper – Merak und Dubhe als Zeigersterne (abgerufen 14.10.2026)
- Wikipedia (englisch): Polaris (abgerufen 14.10.2026)
- telescopicwatch.com: How I Align Telescope Finderscopes (abgerufen 14.10.2026)
- Wikipedia (englisch): Ring Nebula (abgerufen 14.10.2026)
- Wikipedia (englisch): Star diagonal (abgerufen 14.10.2026)
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