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Sternenscout

Grenzgrösse: Was kann ich noch sehen?

Zwei Kennzahlen der Öffnung: wie schwache Sterne du siehst und wie eng ein Doppelstern sein darf.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Sternfeld im Orion mit vielen schwachen Sternen
Bild: Martinbernardi, CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Die wichtigste Zahl eines Teleskops ist seine Öffnung, der Durchmesser von Linse oder Hauptspiegel. Sie bestimmt zwei Dinge, die keine Vergrösserung ersetzen kann: wie viel Licht das Teleskop sammelt und wie feine Details es auflösen kann. Beides kannst du mit einfachen Faustformeln abschätzen.

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Lichtsammelvermögen

Die Fläche einer Öffnung wächst mit dem Quadrat ihres Durchmessers. Deine Pupille öffnet sich im Dunkeln auf höchstens etwa 7 mm. Ein Teleskop mit 70 mm Öffnung sammelt deshalb (70 ÷ 7)² = 100-mal so viel Licht wie dein Auge, ein 200-mm-Teleskop rund 816-mal so viel.

Grenzgrösse: die schwächsten Sterne

Die Grenzgrösse ist die Helligkeit des schwächsten Sterns, den du gerade noch siehst – angegeben in Magnituden (mag). Von blossem Auge liegt sie unter dunklem Himmel bei etwa 6 mag.

Für Teleskope gibt es eine empirische Formel der Form

m = 5 · log₁₀(D in cm) + N

Je nach Autor liegt die Konstante N zwischen etwa 6,8 und 8,7. Mit N = 7,5 und der Öffnung in Millimetern wird daraus die Faustformel, die auch der Rechner verwendet:

Grenzgrösse ≈ 2,5 + 5 · log₁₀(Öffnung in mm)

Öffnung Grenzgrösse (Faustformel)
50 mm (Fernglas-Objektiv) ≈ 11,0 mag
80 mm ≈ 12,0 mag
130 mm ≈ 13,1 mag
200 mm ≈ 14,0 mag
300 mm ≈ 14,9 mag

Höhere Vergrösserung hilft bei Sternen

Ein Stern ist ein Lichtpunkt. Seine Helligkeit im Okular hängt von der Öffnung ab, nicht von der Vergrösserung. Der Himmelshintergrund dagegen wird mit steigender Vergrösserung dunkler. Darum sind schwache Sterne bei höherer Vergrösserung oft besser sichtbar – der Kontrast steigt. Bei flächigen Objekten wie Galaxien ist es umgekehrt: Sie werden mit der Vergrösserung ebenfalls dunkler (siehe Austrittspupille).

Auflösungsvermögen: die Dawes-Grenze

Wie eng dürfen zwei gleich helle Sterne beieinander stehen, damit du sie noch getrennt siehst? Der Doppelstern-Beobachter William Rutter Dawes hat dafür eine einfache Regel aufgestellt:

Auflösung ≈ 116 ÷ Öffnung in mm (in Bogensekunden)

Öffnung Dawes-Grenze
60 mm ≈ 1,9″
100 mm ≈ 1,2″
150 mm ≈ 0,77″
200 mm ≈ 0,58″
300 mm ≈ 0,39″
Mizar und Alkor im Grossen Wagen
Mizar und Alkor im Grossen Wagen.Bild: Nikolay Nikolov, CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Zum Vergleich: Die beiden Komponenten von Mizar im Grossen Wagen stehen 14,4″ auseinander. Das trennt schon ein kleines Teleskop mühelos.

Was heisst das für den Teleskop-Kauf?

  • Öffnung schlägt Vergrösserung. Mehr Öffnung zeigt schwächere Sterne und feinere Details. Mehr Vergrösserung ohne Öffnung zeigt nur ein grösseres, unschärferes Bild.
  • Die Unterschiede sind logarithmisch. Von 100 auf 200 mm gewinnst du gut 1,5 Magnituden – spürbar, aber kein Wunder.
  • Ein dunkler Himmel zählt mit. Laut Wikipedia hebt jede Magnitude dunklerer Himmel (gemessen als SQM-Wert) die Grenzgrösse um etwa 0,3 bis 0,4 mag. Mehr dazu unter Lichtverschmutzung.

Typische Fehler

  • Formel als Garantie verstehen: Sie beschreibt ideale Bedingungen.
  • Zu kleine Vergrösserung für schwache Sterne: Bei Sternen hilft oft eine Stufe mehr.
  • Teleskop nicht ausgekühlt: Warme Luft im Tubus verschmiert feine Details – gerade bei Doppelsternen.

Häufige Fragen

Was bedeutet «mag»?
Magnitude, die Helligkeitsskala der Astronomie. Je grösser die Zahl, desto schwächer der Stern. Ein Unterschied von 5 Magnituden entspricht einem Helligkeitsfaktor von 100. Unter dunklem Himmel siehst du von blossem Auge Sterne bis etwa 6 mag.
Warum sehe ich weniger, als der Rechner sagt?
Die Formel gilt für dunklen Himmel, klare Luft, gut dunkeladaptierte Augen und ruhige Sterne. Stadtlicht, Dunst, Mondlicht, tiefe Horizonthöhe und Unruhe in der Luft drücken die Grenze teils deutlich nach unten.
Zeigt ein grösseres Teleskop auch Galaxien heller?
Es sammelt mehr Licht, sodass du schwächere Galaxien überhaupt erst erkennst. Die Flächenhelligkeit im Okular bestimmt aber die Austrittspupille. Darum kann ein kleines Teleskop bei gleicher Austrittspupille einen grossen Nebel genauso hell zeigen – nur kleiner.

Quellen (6)

  1. Wikipedia (englisch): Limiting magnitude – Formel m = 5 log D + N (abgerufen 14.10.2026)
  2. Wikipedia (englisch): Dawes' limit – R = 116/D (mm) (abgerufen 14.10.2026)
  3. Astronomics: Exit Pupils – Sternhelligkeit hängt von der Öffnung ab (abgerufen 14.10.2026)
  4. Wikipedia (englisch): Exit pupil – Pupillengrösse des Auges (abgerufen 14.10.2026)
  5. Wikipedia (englisch): Mizar – Abstand der Komponenten 14,4″ (abgerufen 14.10.2026)
  6. Wikipedia (englisch): Apparent magnitude – 5 mag entsprechen Faktor 100 (abgerufen 14.10.2026)

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