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Welche Wetterwerte für Sternfreunde zählen – und warum der Hochnebel in der Schweiz eine Sonderrolle spielt.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Nebelmeer über dem Mittelland, vom Albis aus gesehen
Bild: Daniel Kraft, CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikimedia Commons

«Heute ist es klar» reicht für einen Spaziergang. Für eine Beobachtungsnacht willst du mehr wissen: Kommen später hohe Schleierwolken? Ist die Luft ruhig genug für Jupiter? Liegt das Mittelland unter Hochnebel, während es auf den Jurahöhen sternklar ist? Dafür gibt es spezialisierte Astro-Wetterdienste.

Mehr erfahren – tippe auf einen Abschnitt

Welche Werte sind wichtig?

1. Wolken in drei Stockwerken

Astro-Dienste zeigen die Bewölkung getrennt nach Höhe. meteoblue zum Beispiel unterscheidet:

  • tiefe Wolken (0–4 km),
  • mittelhohe Wolken (4–8 km),
  • hohe Wolken (8–15 km).

Das ist wichtig, weil sich teilweise Bewölkung in zwei Schichten zu einem geschlossenen Himmel addieren kann. Und hohe Schleierwolken stören laut meteoblue schon bei teilweiser Bedeckung die Sicht auf Sterne. Nebel und sehr tiefe Wolken zeigt die meteoblue-Astroansicht dagegen nicht an – darauf kommen wir beim Hochnebel zurück.

2. Seeing

Das Seeing beschreibt die Ruhe der Luft (Details unter Seeing und Transparenz). meteoblue gibt dafür zwei Indizes von 1 (schlecht) bis 5 (ausgezeichnet) und einen Wert in Bogensekunden an: das kleinste Detail, das ein Teleskop bei diesen Bedingungen noch zeigen könnte. Kleinere Werte sind besser.

Wichtig: Die Seeing-Indizes berücksichtigen keine Wolken. Seeing 5 bei 100 % Bewölkung heisst trotzdem: keine Beobachtung.

3. Jetstream

Der Jetstream ist ein Starkwindband in grosser Höhe. Laut meteoblue bedeuten Geschwindigkeiten über 35 m/s meist schlechtes Seeing – aber auch sehr schwacher Wind unter 5 m/s. Die British Astronomical Association rät: Liegt der Jetstream über dir, beobachte lieber Deep-Sky-Objekte statt Planeten.

4. Turbulente Schichten

meteoblue zeigt zusätzlich «Bad Layers»: Luftschichten mit starkem Temperaturgefälle (mehr als 0,5 Grad pro 100 m), in denen sich die Luft verwirbelt. Viele solcher Schichten heisst: unruhiges Bild.

5. Mond, Dunkelheit und Taupunkt

Clear Outside zeigt neben den Wolken auch die Mondphase mit Auf- und Untergang, die Zeiten der astronomischen Dunkelheit, Wind, Temperatur und den Taupunkt. Kommt die Lufttemperatur dem Taupunkt nahe, beschlagen Sucher, Okulare und offene Optiken. Den Mondkalender findest du auch unter Mondphasen.

Welche Dienste eignen sich für die Schweiz?

  • MeteoSchweiz – der offizielle Wetterdienst des Bundes. Gut für die allgemeine Wetterlage, Bewölkung und Niederschlag.
  • meteoblue Astronomy Seeing – stündliche Astro-Vorhersage für drei Tage mit Wolken in drei Höhen, Seeing-Indizes, Jetstream, turbulenten Schichten sowie Mond- und Planetendaten. Du kannst deinen Ort frei wählen.
  • Clear Outside – kostenlose Astro-Vorhersage für sieben Tage von First Light Optics, auch als App für iOS und Android. Zeigt Wolken in drei Höhen, eine Ampel pro Stunde, Mond, Dunkelheit, Taupunkt, Nebel und ISS-Überflüge.

Hochnebel und Inversion: die Schweizer Spezialität

Im Herbst und Winter liegt das Mittelland oft tagelang unter einer grauen Decke. Das ist Hochnebel. Er entsteht, wenn kalte Luft am Boden liegen bleibt und wärmere Luft darüber liegt – eine sogenannte Inversion. Die Inversion wirkt wie ein Deckel.

Hochnebel über Zürich, dahinter der Uetliberg
Hochnebel über Zürich: Die graue Decke liegt tief, der Uetliberg ragt darüber hinaus.Bild: albinfo, CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Laut SRF Meteo ist die Hochnebelschicht oft nur 200 bis 300 Meter dick. Darüber kann es sternklar sein. Für dich heisst das:

  • Über den Nebel fahren. Liegt die Nebelobergrenze tiefer als ein erreichbarer Aussichtspunkt im Jura, in den Voralpen oder Alpen, erwartet dich oben oft ein klarer Himmel – und als Bonus ein Nebelmeer, das das Licht der Städte schluckt.
  • Die Bise beachten. Laut SRF Meteo hebt eine stärkere Bise die Nebelobergrenze an und hält den Nebel dicht; lässt sie nach, sinkt der Nebel und löst sich teilweise auf.
  • Der Prognose nicht blind trauen. Weil die Schicht so dünn ist, erfassen Wettermodelle den Hochnebel schlecht. SRF Meteo nennt ihn das schwierigste Wetterphänomen überhaupt.

Wie planst du eine Beobachtungsnacht?

  1. Am Nachmittag: Wolkenprognose (MeteoSchweiz) und Astro-Vorhersage (meteoblue oder Clear Outside) für deinen Ort anschauen.
  2. Ziele wählen: Ruhige Luft und Jetstream schwach → Planeten, Mond, Doppelsterne. Klare Luft, aber unruhig → Galaxien, Sternhaufen, Nebel. Mondphase prüfen: Bei Vollmond sind schwache Nebel kaum zu sehen.
  3. Teleskop früh rausstellen: Damit es ausgekühlt ist, wenn es dunkel wird.
  4. Draussen prüfen: Funkeln die Sterne stark? Wie viele Sterne des Kleinen Wagens siehst du? Dann entscheidest du endgültig.
  5. Notieren: Halte Bedingungen und Prognose im Beobachtungsprotokoll fest. Mit der Zeit lernst du, welchem Dienst du an deinem Ort am meisten trauen kannst.

Typische Fehler

  • Nur auf «Gesamtbewölkung» schauen: Hohe Schleierwolken verschlechtern die Sicht, auch wenn der Himmel «fast klar» wirkt.
  • Seeing für Deep-Sky überbewerten: Für Galaxien sind Transparenz und Mondfreiheit wichtiger.
  • Taupunkt vergessen: Beschlagene Optik beendet manche schöne Nacht. Eine Taukappe hilft.
  • Den Hochnebel unterschätzen: Ein Blick auf die Webcams von Aussichtspunkten zeigt oft schneller als jede Prognose, ob oben Sterne sind.

Häufige Fragen

Welcher Dienst ist der beste?
Es gibt keinen perfekten. Vergleiche zwei Dienste, zum Beispiel die Wolkenprognose von MeteoSchweiz mit der Astro-Ansicht von meteoblue oder Clear Outside. Stimmen sie überein, ist die Prognose verlässlicher.
Warum ist der Himmel klar, obwohl Wolken angesagt waren – oder umgekehrt?
Wolken und besonders Hochnebel sind schwer vorherzusagen. Dünne Schichten von wenigen hundert Metern erfassen die Wettermodelle nur schlecht. Ein Blick aus dem Fenster und auf aktuelle Satellitenbilder ergänzt jede Prognose.
Hilft mir das Seeing-Feld bei Galaxien?
Kaum. Seeing beschreibt die Ruhe der Luft und ist vor allem für Planeten, Mond und Doppelsterne wichtig. Für Galaxien und Nebel zählen Wolkenfreiheit, Transparenz und ein mondloser, dunkler Himmel.

Quellen (6)

  1. meteoblue: Astronomy Seeing – Erklärung der Vorhersage (abgerufen 14.10.2026)
  2. meteoblue: Astronomy Seeing Zürich (Beispiel-Vorhersage) (abgerufen 14.10.2026)
  3. Clear Outside (First Light Optics): Astro-Wettervorhersage (abgerufen 14.10.2026)
  4. MeteoSchweiz: Startseite (abgerufen 14.10.2026)
  5. SRF Meteo: Schleierhafter Hochnebel – das schwierigste Wetterphänomen (abgerufen 14.10.2026)
  6. British Astronomical Association: Absolute Beginners – Astronomical seeing (abgerufen 14.10.2026)

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