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Linsenteleskope (Refraktoren)

Das klassische Fernrohr: robust, wartungsarm und sofort bereit – stark bei Mond, Planeten und Doppelsternen.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Linsenteleskop auf parallaktischer Montierung
Bild: Gn842, Public domain, Quelle: Wikimedia Commons

Das Linsenteleskop – Fachwort Refraktor – ist das Fernrohr, das sich die meisten vorstellen: ein Rohr mit einer grossen Linse vorne und dem Okular hinten. Es ist die älteste Teleskop-Bauart und bis heute beliebt, weil es einfach funktioniert. Kein Spiegel, der justiert werden muss, kein offener Tubus, in dem Staub landet.

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So funktioniert ein Linsenteleskop

Vorne sitzt das Objektiv, eine Linse aus meist zwei verkitteten oder durch einen Luftspalt getrennten Gläsern. Es bündelt das Licht im Brennpunkt. Dort entsteht ein kleines Bild, das du mit dem Okular wie mit einer Lupe vergrösserst. Der Abstand zwischen Objektiv und Brennpunkt ist die Brennweite.

Objektiv (Linse) Brennpunkt Okular Auge Brennweite des Teleskops
Strahlengang im Linsenteleskop (vereinfacht): Die Objektivlinse sammelt das Licht im Brennpunkt, das Okular wirkt wie eine Lupe.

Die Vergrösserung ergibt sich aus Brennweite des Teleskops geteilt durch Brennweite des Okulars: 900 mm ÷ 10 mm = 90-fach. Die sinnvolle Obergrenze liegt bei etwa dem Doppelten der Öffnung in Millimetern – bei 90 mm Öffnung also rund 180-fach. Mehr dazu unter Vergrösserung.

Achromat oder Apochromat?

Glas bricht die Farben des Lichts unterschiedlich stark. Darum entsteht bei einfachen Linsen um helle Objekte ein farbiger Saum. Es gibt zwei Lösungen:

  • Achromat (oft «AC» im Namen): zwei Linsen aus normalem Glas. Günstig, aber an Mond, Venus oder hellen Sternen siehst du einen violetten Saum. Je länger das Öffnungsverhältnis, desto schwächer der Saum. Ein Achromat mit f/10 zeigt deutlich weniger Farbe als einer mit f/5.
  • ED-Refraktor oder Apochromat (oft «ED» oder «AP»): enthält Spezialglas mit geringer Farbzerstreuung. Der Farbsaum verschwindet weitgehend, auch bei kurzer Bauweise. Dafür kostet er pro Millimeter Öffnung ein Vielfaches.

Die British Astronomical Association beschreibt beide Wege: ED-Glas oder ein längeres Öffnungsverhältnis senken den Farbfehler deutlich.

Stärken und Schwächen

Stärken Schwächen
Keine Justierung nötig, wartungsarm Wenig Öffnung pro Franken
Geschlossenes Rohr, kaum Staub auf der Optik Achromate zeigen Farbsäume
Kühlt schnell aus (rund eine Stunde) Lange Rohre (f/10) sind unhandlich und windanfällig
Kontrastreiches Bild ohne Fangspiegel Gute ED-Optiken sind teuer
Auch tagsüber für Landschaft nutzbar Okular oft unbequem tief, wenn hoch am Himmel

Was kostet ein gutes Linsenteleskop?

Die Angaben stammen von Hersteller- und Händlerseiten (siehe Quellen). Preise sind Richtwerte in Franken, Stand Oktober 2026.

Modell Öffnung / Brennweite Bauart Montierung Preis (Richtwert)
Omegon AC 70/700 AZ-2 70 / 700 mm, f/10 Achromat azimutal, einfach rund 120 CHF
Sky-Watcher Evostar 90/900 AZ-3 90 / 900 mm, f/10 Achromat azimutal mit Feintrieb rund 280 CHF
Sky-Watcher Startravel 102 AZ-Pronto 102 / 500 mm, f/4,9 Achromat azimutal rund 340 CHF
Celestron StarSense Explorer DX 102AZ 102 / 660 mm, f/6,5 Achromat azimutal, Handy-Navigation rund 490 CHF
Sky-Watcher Evostar 72 EDX 72 / 420 mm, f/5,8 ED-Zweilinser nur Tubus rund 420 CHF
Sky-Watcher Evostar 80 EDX 80 / 600 mm, f/7,5 ED-Zweilinser nur Tubus rund 530 CHF

Einige Hinweise zu diesen Beispielen:

  • Der Omegon 70/700 ist ein typisches günstiges Einstiegsgerät. Den Mond zeigt er schön, für Nebel und Galaxien sammelt er wenig Licht. Als maximale sinnvolle Vergrösserung gibt der Händler 140-fach an.
  • Der Evostar 90/900 ist der klassische «lange» Achromat: Mit f/10 bleibt der Farbsaum gering, Mond und Planeten zeigt er kontrastreich. Mitgeliefert werden laut Hersteller Okulare mit 25 und 10 mm, ein 45°-Prisma und ein 6×30-Sucher.
  • Der Startravel 102 ist kurz und leicht – ideal für grosse Sternfelder, aber mit deutlichem Farbsaum bei hoher Vergrösserung. Er hat einen 2-Zoll-Okularauszug. Die AZ-Pronto-Montierung ist laut Händler für 3 kg ausgelegt, der Tubus wiegt knapp 3,5 kg – das ist eher knapp bemessen.
  • Beim StarSense Explorer hilft dir eine Handy-App beim Finden: Das Smartphone sitzt in einer Halterung am Teleskop, erkennt den Himmelsausschnitt und zeigt mit Pfeilen, wohin du das Rohr schieben musst. Motoren hat es nicht.
  • Die ED-Refraktoren werden als reiner Tubus verkauft: Montierung, Okulare, Zenitspiegel und Sucher musst du zusätzlich einplanen. Sie lohnen sich vor allem, wenn du später fotografieren willst oder ein farbreines, sehr transportables Gerät suchst.

Welches Modell passt zu dir?

Omegon AC 70/700 AZ-2

  • Passt zu dir, wenn du für rund 120 Franken vor allem den Mond anschauen willst.
  • Passt nicht, wenn du Nebel und Galaxien suchst: Dafür sammeln 70 mm wenig Licht.

Sky-Watcher Evostar 90/900 AZ-3

  • Passt zu dir, wenn du Mond und Planeten kontrastreich und mit wenig Farbsaum sehen willst; Okulare, Prisma und Sucher sind dabei.
  • Passt nicht, wenn dich ein langes Rohr stört: Teleskope mit f/10 sind unhandlich und windanfällig.

Sky-Watcher Startravel 102 AZ-Pronto

  • Passt zu dir, wenn du ein kurzes, leichtes Gerät für grosse Sternfelder suchst.
  • Passt nicht, wenn du Planeten stark vergrössern willst: Dann zeigt er einen deutlichen Farbsaum, und die Montierung ist knapp bemessen.

Celestron StarSense Explorer DX 102AZ

  • Passt zu dir, wenn du dich gerne per Handy-App zu den Objekten führen lässt.
  • Passt nicht, wenn das Teleskop Objekte selbst anfahren soll: Motoren hat es nicht.

Sky-Watcher Evostar 72 EDX

  • Passt zu dir, wenn du ein farbreines, sehr transportables Gerät mit kurzer Brennweite für Sternfelder suchst.
  • Passt nicht, wenn du ein Komplettgerät willst: Montierung, Okulare, Zenitspiegel und Sucher kommen dazu.

Sky-Watcher Evostar 80 EDX

  • Passt zu dir, wenn du später fotografieren willst und etwas mehr Öffnung und Brennweite (80/600 mm) als beim 72 EDX möchtest.
  • Passt nicht, wenn das Budget knapp ist: Zu rund 530 Franken für den Tubus kommen Montierung, Okulare, Zenitspiegel und Sucher.
Kleiner Refraktor mit 60 mm Öffnung auf Stativ
Ein kleiner Refraktor mit 60 mm Öffnung: Prüfe bei solchen Geräten vor allem, wie ruhig das Stativ steht.Bild: Dariome, CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikimedia Commons

Kauf-Checkliste

  • Öffnung: mindestens 70–80 mm, besser 90–102 mm.
  • Öffnungsverhältnis: Beim Achromaten für Mond und Planeten f/8 bis f/10, für Sternfelder darf es kürzer sein.
  • Okularauszug: 1,25 Zoll (31,75 mm) ist Standard; 2 Zoll erlaubt später Weitwinkel-Okulare. Finger weg von 0,965 Zoll.
  • Zenitspiegel oder Prisma: Damit schaust du bequem von oben ins Okular. Ein 45°-Prisma zeigt das Bild aufrecht und seitenrichtig – praktisch auch tagsüber.
  • Montierung: Lieber eine solide azimutale Montierung als eine schwache parallaktische. Siehe Montierungen.
  • Taukappe: Die Linse vorne beschlägt leicht; eine ausziehbare Taukappe ist ein Plus.

Häufige Fragen

Ist ein Linsenteleskop für Anfänger gut?
Ja, besonders wenn du wenig Wartung willst: Ein Refraktor muss nicht justiert werden, kühlt schnell aus und ist robust. Pro Franken bekommst du allerdings weniger Öffnung als bei einem Newton- oder Dobson-Teleskop.
Was ist der Unterschied zwischen Achromat und Apochromat?
Ein Achromat (zweilinsig, normales Glas) zeigt an hellen Objekten einen violetten Farbsaum. Ein Apochromat oder ED-Refraktor verwendet Spezialglas und unterdrückt diesen Saum weitgehend – er ist aber deutlich teurer.
Welche Öffnung sollte ein Linsenteleskop haben?
Für den Einstieg mindestens 70 bis 80 mm, besser 90 bis 102 mm. Kleinere Geräte mit 50 oder 60 mm sammeln wenig Licht und sitzen oft auf wackligen Stativen.
Warum sind Refraktoren mit kurzer Brennweite oft bunt?
Bei normalem Glas wird jede Farbe etwas anders gebrochen. Ein längeres Öffnungsverhältnis (etwa f/10) mildert den Farbsaum deutlich, ein kurzes (f/5) verstärkt ihn.

Quellen (12)

  1. BBC Sky at Night Magazine: Telescope stats explained (abgerufen 14.10.2026)
  2. British Astronomical Association (Peter Anderson): Comparing similar ED & standard-glass refractors (abgerufen 14.10.2026)
  3. BBC Sky at Night Magazine: What is a fast telescope? (abgerufen 14.10.2026)
  4. Sky-Watcher: BK 909AZ3 (Evostar 90/900), Datenblatt (abgerufen 14.10.2026)
  5. Händlerseite (optique-pro.fr, Preis in CHF): Omegon AC 70/700 AZ-2 (abgerufen 14.10.2026)
  6. Händlerseite (optique-pro.fr, Preis in CHF): Sky-Watcher AC 90/900 EvoStar AZ-3 (abgerufen 14.10.2026)
  7. Händlerseite (optique-pro.fr, Preis in CHF): Sky-Watcher AC 102/500 AZ-Pronto (abgerufen 14.10.2026)
  8. Händlerseite (optique-pro.fr, Preis in CHF): Celestron AC 102/660 StarSense Explorer DX 102 AZ (abgerufen 14.10.2026)
  9. Händlerseite (optique-pro.fr, Preis in CHF): Sky-Watcher AP 72/420 Evostar 72 EDX (abgerufen 14.10.2026)
  10. Händlerseite (optique-pro.fr, Preis in CHF): Sky-Watcher AP 80/600 Evostar 80 EDX (abgerufen 14.10.2026)
  11. BBC Sky at Night Magazine: What's the best way of helping my telescope cool down? (abgerufen 14.10.2026)
  12. Telescope Advisor: How to choose a telescope eyepiece (abgerufen 14.10.2026)

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